Der Weg zur besten Smart-Meter-Rollout-Strategie

Die neue Messtechnik bedeutet eine vollständige Transformation des Messstellenbetriebs. Diese Strategieoptionen haben Stadtwerke für den Rollout intelligenter Messsysteme.

In den nächsten Jahren haben es Netz- und Messstellenbetrieb mit einer Aufgabe zu tun, die sie so noch nie zu bewältigen hatten: dem Rollout von modernen Messeinrichtungen (mME) und intelligenten Messsystemen (iMSys). Besonders komplex wird es beim Rollout der iMsys, also einer Kombination von mME mit einem Gateway. Dieses System ist in der Lage, Daten direkt vom Verbraucher an die berechtigten Marktteilnehmer zu übermitteln. Hat sich ein Stadtwerk dafür entschieden, die neu geschaffene Rolle des intelligenten Messstellenbetreibers einzunehmen, sind mehrere Rollout-Strategien möglich.

Eine der wichtigsten Fragen kann momentan kein Marktteilnehmer beantworten: Wann geht es los mit dem verpflichtenden Rollout der iMSys? „Kommt drauf an“, ist die unbefriedigende Antwort. Der Start hängt davon ab, wann drei Gateways vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifiziert sind. Einige Prognosen sprechen davon, dass es im vierten Quartal 2017 soweit ist, andere vom ersten Quartal 2018. Frühere Prognosen sind bereits überholt.

Jetzt den Rollout planen – auch ohne zertifizierte Gateways

Grundsätzlich haben Stadtwerke mehrere Optionen: Sie können sich im eigenen Netz auf die Rolle des grundzuständigen Messstellenbetreibers (gMSB) beschränken. Denkbar ist auch, in anderen Netzen als wettbewerblicher Messstellenbetreiber (wMSB) aufzutreten. Die Empfehlung von SüdWestStrom lautet: Jeder Messstellenbetreiber sollte mindestens in den ersten drei Jahren grundzuständig bleiben. Gleichzeitig sollte jedes Stadtwerk auch wettbewerblicher Messstellenbetreiber werden.

Der Einbau und Betrieb der mME unterscheidet sich nur wenig von den Prozessen, die es bei den konventionellen elektronischen Zählern gibt. Die moderne Hardware wird bereits verbaut und bedeutet keine große Herausforderung für die Monteure. Von den Ferraris-Zählern unterscheiden sie sich vor allem optisch und in der Speicherung der Daten über 24 Monate. Der entscheidende Unterschied zu den iMSys: Es gibt keine Schnittstelle für eine Kommunikation der Verbrauchswerte von der Messstelle an die Marktteilnehmer.

Ganz anders beim iMSys: Hier werden die Verbräuche als Viertelstundenwerte oder in anderen Auflösungen an die berechtigten Stellen geschickt. Für Kunden mit dieser Messtechnik können perspektivisch flexible Tarife, internetbasierte Visualisierungen und andere Mehrwerte angeboten werden. Für den Datenverkehr gelten sehr hohe Sicherheitsstandards, die Energieversorgern sehr viel abverlangen.

Wenige Einbaufälle mit großem Aufwand

Es gibt Schätzungen hinsichtlich der Verteilung der Pflichteinbaufälle in den Verteilnetzen: An zirka 88 Prozent der Messstellen müssen mME und an etwa 12 Prozent iMSys eingebaut werden. Der mengenmäßig kleinste Teil des Smart-Meter-Rollouts macht also mit Abstand die größte Arbeit.

Vor der Wahl einer Rollout-Strategie für iMSys sollte ein Stadtwerk, das sich als iMSB positioniert, die wichtigsten Faktoren für das jeweilige Netz analysiert haben:

  • Wie viele Messstellen gibt es?
  • Welcher Wettbewerb ist im Messstellenbetrieb zu erwarten?
  • Arbeitet der Vertrieb bereits mit Kombiprodukten oder mit variablen Tarifen?
  • Welche Verbrauchs- und Erzeugungsstruktur gibt es (Heizstrom, PV, KWK)?
  • Wie werden die Einbauten von iMSys und mME verteilt sein?
  • Wie viele Monteure können eingesetzt werden?
  • Können die mME und iMSys kosteneffizient abgerechnet werden oder lohnt sich eine externe Lösung?
  • Wann können die Monteure und die Mitarbeiter im Kundenzentrum geschult werden?
  • Sind genug Geräte des gewünschten Herstellers zum individuellen Rollout-Start verfügbar?
  • Welche Telekommunikations-Struktur kann grundsätzlich genutzt werden und ist lokal geeignet (Breitband/Powerline, Mobilfunk, Glasfaser, Kabel)?

Konkurrenten wollen die attraktiven Messstellen

Der intelligente Messstellenbetreiber hat weitgehend die freie Wahl, wann, wie viele und bei welchen Messstellen er die iMSys einbaut. Als gMSB ist er an die Preisobergrenzen gekoppelt. In dieser Rolle ist ein Stadtwerk innerhalb der gesetzlichen Fristen frei, wann es die iMSys einbaut. Bei aller Unsicherheit hinsichtlich vieler Faktoren gibt es aber gute Gründe, auch als grundzuständiger Messstellenbetreiber nicht zu lange mit dem Einbau der iMSys zu warten.

Denn die wMSB werden nur darauf warten, sich im jeweiligen Netz die Rosinen unter den Messstellen herauspicken zu können. Als Rosinen gelten die Messstellen mit hohem Verbrauch oder hoher Einspeisung. Es ist zu erwarten, dass diese Messstellen besonders rentabel sind. Durch die nun gesetzlich geregelte Trennung des Messstellenbetriebs vom Netzbetrieb, kann ein Konkurrent einen separaten Vertrag mit attraktiven MSB-Kunden abschließen. Dazu zählen beispielsweise Großverbraucher mit mehr als 100.000 kWh/a, Eigenerzeuger mit Anlagen über 100 kW und Gewerbekunden.

Strategische Optionen

Drei Rollout-Strategien sind denkbar: degressiv, linear oder progressiv.

Beim degressiven Rollout werden zu Beginn sehr viele Zählpunkte mit neuer Messtechnik ausgestattet. Für Stadtwerke, die schnell attraktive Kundensegmente sichern und wettbewerbsfähige Produkte einführen wollen, bietet sich dieses Vorgehen an. Einer der Vorteile: Die Kosten werden so relativ schnell amortisiert und interne Prozesse zügig aufgebaut. Der Nachteil: Es sind Engpässe bei Geräten und Personal zu befürchten. Außerdem besteht die Gefahr, dass frühe Gerätegenerationen noch nicht ausgereift genug sind, um – je nach Eichgültigkeit – bis zu 13 Jahre eingebaut zu bleiben.

Der lineare Rollout ist charakterisiert durch eine gleichmäßige Installationsrate, gleichverteilte Erlöse und eine vergleichsweise späte Amortisation der Investitionen. Für iMSB mit einem defensiven Rollout-Ansatz gibt es den progressiven Rollout. Er zeichnet sich durch den Einsatz ausgereifter Hardware und etablierter Prozesse aus. Dieses Vorgehen ist Stadtwerken empfohlen, die nur die Rolle des gMSB einnehmen wollen. Es besteht die Gefahr, dass im eigenen Netz die lukrativen Kundensegmente an einen wMSB verloren gehen. Unabhängig von der gewählten Strategie: Alle SüdWestStrom bekannten Verteilnetzbetreiber, die bereits Preisblätter für den grundzuständigen Messstellenbetrieb veröffentlicht haben, wählten die Preisobergrenze für den Einbau und Betrieb von iMSys.

Zusammengefasst lautet die Einschätzung und Empfehlung von SüdWestStrom: Der Einbau von mME ist vergleichsweise einfach und wird schnell sehr hohe Stückzahlen in den Netzen erreichen. Die Prozesse ähneln stark dem Turnuswechsel der bisherigen Zähler. Auf Verteilnetzbetreiber kommen kaum zusätzliche Kosten zu. Der Rollout der iMSys hingegen bedeutet für Stadtwerke und die Endverbraucher eine komplett neue Welt. Sowohl Einbau als auch Betrieb sind sehr komplex und der iMSB wird je nach Strategie nur wenige Geräte verbauen. Gleichzeitig sind die iMSys mit vielen neuen Prozessen, hohen Kosten aber auch Chancen beim Angebot neuer Tarife und Produkte verbunden.

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Wie der Rollout-Planer im Detail funktioniert, erklären wir Ihnen hier.

Unsere Dienstleistung

SüdWestStrom bietet zusammen mit den Stadtwerken Schwäbisch Hall eine modular aufgebaute Dienstleistung für den Einbau und Betrieb von intelligenten Messsystemen an.

Mehr Informationen dazu erhalten Sie hier.

Ihr Ansprechpartner

Justus Hoffmann
Produktmanager
Fon: +49 7071 157-2066
justus.hoffmann@suedweststrom.de