Die Geschichte von SüdWestStrom

Eine Stadtwerke-Kooperation entsteht

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Als der Strommarkt Ende der 1990er Jahre liberalisiert wurde, hatten viele kleine und mittlere Stadtwerke Bedenken: Würden sie in der Beschaffung gegenüber den großen Energieversorgern konkurrenzfähig bleiben? Wie sollten sie ihren Kunden attraktive Preise bieten ohne eigenen Zugang zum Großhandelsmarkt?

Aus dieser Not heraus beschlossen mehrere Stadtwerke aus Baden-Württemberg, sich zusammen zu tun. Ihr Ziel war es, über eine Beschaffungsplattform – den Strom-Portfolio-Pool – ihre Strommengen zusammenzulegen. Die gebündelten Mengen wollten sie günstig am Großhandelsmarkt beschaffen. Auch die Bedarfsprognose, die Strukturierung am Vortag der Lieferung sowie die Bilanzkreisführung sollte „der Pool“ übernehmen. Die entstehenden Kosten sollten gerecht auf die Pool-Mitglieder umgelegt werden – auch die Gewinne.

Die Unternehmensidee von SüdWestStrom war geboren. Am 3. Februar 1999 wurde die Südwestdeutsche Stromhandels GmbH, kurz SüdWestStrom, als Zusammenschluss von 30 Stadtwerken aus Baden-Württemberg gegründet. Der Firmensitz von SüdWestStrom wurde bei einem der Gründungsgesellschafter – den Stadtwerken Tübingen – angesiedelt.

Meilensteine einer Erfolgsgeschichte

Zu Beginn war SüdWestStrom ein kleines Unternehmen mit nur einer festen Mitarbeiterin. Dass das Geschäftsmodell vielversprechend war, zeigte sich jedoch schon in den ersten Jahren nach Gründung. Die Kundenzahlen von SüdWestStrom wuchsen stetig. Mit ihnen stiegen die Mengen im Strom-Portfolio-Pool und auch die Zahl der Mitarbeiter. Im Jahr 2005 beschäftigte SüdWestStrom bereits zehn Personen und wickelte 4,5 TWh Strom über den Pool ab.

Im Jahr 2007 wurde der Gasmarkt liberalisiert. SüdWestStrom beschloss, seine Erfahrung aus der Stromwirtschaft zu nutzen und ins Erdgasgeschäft einzusteigen. Schon im ersten Gaswirtschaftsjahr 2007/2008 liefen über den neuen Portfolio-Pool Gasmengen in Höhe von 7 TWh.

Gleichzeitig wurde klar, dass viele Stadtwerke den regulatorischen Anforderungen kaum noch gewachsen waren. Es fehlte nicht nur an Fachpersonal, sondern auch an entsprechender Software. 2008 begann SüdWestStrom deshalb, für einige Kunden die Marktkommunikation und das damit verbundene Energiedatenmanagement (EDM) zu übernehmen – unter anderem für die Prozesse im Lieferantenwechsel.

Mit der Festlegung zum Grundmodell für Ausgleichsleistungen und Bilanzierungsregeln im Gassektor, kurz GABi Gas, kamen 2009 auf die Energiewirtschaft und auf SüdWestStrom zahlreiche neue Aufgaben zu. Im gleichen Jahr überschritt SüdWestStrom die Schwelle von 25 Mitarbeitern.

Mit jedem Jahr stiegen die Absatzmengen in den Portfolio-Pools. Mehr als 10 TWh Strom und 15 TWh Erdgas wurden im Jahr 2010 über die beiden Beschaffungsplattformen von SüdWestStrom abgewickelt.

Da auch der Strommarkt zunehmend reguliert wurde – etwa durch die MaBiS (Marktregeln für die Durchführung der Bilanzkreisabrechnung Strom) im Jahr 2011 – weitete SüdWestStrom die EDM-Dienstleistungen für Stadtwerke auf diesen Bereich aus. Heute nutzen etwa 30 Gasvertriebe, 20 Stromvertriebe, 30 Gasnetzbetreiber und zehn Stromnetzbetreiber unsere EDM-Dienstleistungen.

Das Zeitalter der erneuerbaren Energien brachte und bringt weitere Herausforderungen für Stadtwerke mit sich. Seit 2012 widmet sich unser Team "Erzeugungs- und Lastmanagement" der Nutzung von Stadtwerke-Anlagen für Preisorientiertes Lastmanagement und Virtuelle Stromspeicher. Diese sollen dazu beitragen, die schwankende Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen abzufedern.

Im Jahr 2013 realisierte SüdWestStrom selbst zwei Stadtwerke-Windparks. Mit neuen Dienstleistungen zur Abrechnung von EEG- und KWK-Anlagen unterstützen wir unsere Kunden zudem bei der Umsetzung der Energiewende vor Ort.

Heute zählt unsere Kooperation allein in der Südwestdeutschen Stromhandelsgesellschaft 59 Gesellschafter und über 90 Mitarbeiter.