Wie soll die Verlustzeitreihe in der 3. Regulierungsperiode beschafft werden?

Die Bundesnetzagentur hat am 9. Mai 2018 für die Elektrizitätsverteilnetzbetreiber in ihrer Zuständigkeit eine Entscheidung zur Berücksichtigung von Verlustenergiekosten als volatile Kosten für die dritte Regulierungsperiode (Aktenzeichen BK8-18/0001-A) erlassen. Angelehnt an diesen Beschluss haben die Landesregulierungsbehörden ähnliche Beschlüsse für ihren Zuständigkeitsbereich gefällt.

Im Rahmen der Beschlüsse wird den Verteilnetzbetreibern ein Budget für die Beschaffung der Verlustzeitreihe (VZR) zugeteilt. Brauchen Sie mehr, haben sie die Mehrkosten zu tragen. Brauchen Sie weniger, bleibt der Restbetrag beim Verteilnetzbetreiber.

Der Budget-Umfang ergibt sich aus der VZR-Menge in 2016 und einem Preis, der sich aus 69 % des Base- und 31 % des Peak-Preises zusammensetzt. Die Preise sind der Durchschnitt aller Börsenpreise (Settlement-Preise) im zweiten Halbjahr des Vor-Vorjahres bis Ende erste Hälfte des Vorjahres. Für die Jahre 2021 bis 2023 empfehlen wir, über die genannten Zeiträume mit einer sogenannten „kontinuierlichen Beschaffung“ die Preisfindung nachzufahren. SüdWestStrom deckt die georderten Mengen in einem definierten Zeitraum Börsentag für Börsentag ohne weitere Veranlassung des Ordernden ein. Die täglich beschaffte Menge hängt von der Anzahl der Börsentage im gewählten Zeitraum und der georderten Gesamtmenge ab. Am Ende des Beschaffungszeitraums ist der Marktdurchschnitt realisiert.

VZR-Beschaffung Beispiel 2021
Preisbildung in Abhängigkeit der Beschaffungsart am Beispiel 2021:
Kontinuierliche Beschaffung im Referenzzeitraum ergibt den Referenzpreis

Häufige Fragen

Was ist Verlustenergie?

Energie, die zum Ausgleich physikalisch bedingter Netzverluste bei Transport, Umspannung oder Verteilung entsteht und dann nicht mehr als elektrische Energie im Netz zur Verfügung steht (§ 2 Nr. 12 StromNZV).

Kann man die Verluste messen?

Die Verluste können nicht gemessen werden. (VDEW-Materiale 23/2000, S. 6)

Wie wird die Verlustzeitreihe ermittelt?

In ihrer Festlegung des Ausschreibungsverfahrens (Aktenzeichen BK6-08-006) hat die BNetzA zwei Verfahren explizit erwähnt:

  • Wenn zu allen Ein- und Ausspeisungen im Netz Lastgangmessungen vorliegen, ist die Verlustenergie gleich der Differenz zwischen Ein- und Ausspeisung.
  • Da fast immer vereinfachte Messverfahren für kleinere Verbrauchsstellen angewendet werden, sollte die Verlustzeitreihe nach dem in der VDEW-Materiale 23/2000 (S. 7) beschriebenen Verfahren berechnet werden.
  • Wenn der Netzbetreiber genauere Verfahren kennt, kann er auch die anwenden.

Wer beschafft die Verlustenergie?

Der Netzbetreiber. Diese Pflicht ist aus den im EnWG festgelegten allgemeinen Pflichten der Netzbetreiber zur Regelung von Stromnetzen abzuleiten.

Muss der Netzbetreiber über eine Ausschreibung beschaffen?

Nein – wenn der Netzbetreiber weniger als 100.000 Marktlokationen in seinem Netz hat. Für alle anderen Netzbetreiber ist das im Rahmen der dritten Anreizregulierungsperiode Pflicht. Aus zwei Gründen spricht auch nichts dagegen, ohne Ausschreibungspflicht zu arbeiten:

  • Es liegt im eigenen Interesse des Netzbetreibers möglichst wirtschaftlich zu beschaffen, da eine Budgetunterschreitung ihm zugutekommt.
  • Um Risiken zu vermeiden, bildet ein Netzbetreiber am besten die Preisbildungsregeln ab. Das bieten nur wenige Dienstleister an.

Welches Budget steht den Verteilnetzbetreibern zur Verfügung?

Der Budget-Umfang ergibt sich aus der VZR-Menge in 2016 und einem Preis, der sich aus 69 % des Base- und 31 % des Peak-Preises zusammensetzt. Die Preise sind der Durchschnitt aller Börsenpreise (Settlement-Preise) im zweiten Halbjahr des Vor-Vorjahres bis zum Ende der ersten Hälfte des Vorjahrs der Lieferung.

Warum wird das Budget mit der tatsächlichen VZR-Menge von 2016 gebildet?

Der Regulierer möchte den Verteilnetzbetreibern damit einen Anreiz geben, durch technische Maßnahmen das VZR-Volumen zu reduzieren. Gelingt das, vermindern sich die Kosten der VZR – bei gleichem Budget.

Müssen 69 % der VZR-Menge als Base-Band und 31 % als Peak-Band beschafft werden?

Nein. Mit einer solchen Beschaffung würden nur zufällig die Kosten der VZR abgesichert. Es ist schon zu ermitteln, wie teuer die eigene VZR ist. Das Ergebnis schlägt sich letztendlich in Prozentsätzen für den Base- und Peak-Jahrespreis nieder, die in die Preisbildung eingehen. Die zu beschaffenden Base- und Peak-Mengen kann SüdWestStrom auf Basis eines Jahreslastgangs ermitteln.

Ihr Ansprechpartner

Holger Vogelsang
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